Funktionale Integration®

Was ist Funktionale Integration?

Funktion meint Bewegung. Funktionen sind im weitesten Sinne alle Handlungen, die uns in Kontakt mit der Welt bringen, um uns selbst zu erhalten. In der Feldenkrais-Arbeit orientieren wir uns an ganz alltäglichen Funktionen wie dem Stehen, Sitzen, Drehen, Strecken, Beugen, Atmen, Sehen, Greifen u.v.m.

Integration meint Ganzheit. Integration ist die Fähigkeit, eine neue Funktion zu schaffen. Sie umfasst die Gesamtheit aller Eindrücke, die eigenständiges und aktives Erforschen der Umwelt ermöglicht. Sie bezeichnet die Fähigkeit, uns bewusst für alternative Möglichkeiten zu entscheiden, die sich – neben dem Gewohnten – stimmig anfühlen.

In der Funktionalen Integration (FI) entwickelt sich eine Art Selbsterfahrung über Bewegung, weniger technisch, sondern in Feedbackschleifen. Sie kann als eine über die Hände geführte Kommunikationsform beschrieben werden und findet in Einzelarbeit statt. Der Klient bleibt stets bekleidet und liegt meistens auf einer Behandlungsliege. Eine Exploration mit behutsamer therapeutischer Berührung gestaltet nichtdirektive Interventionen und vermeidet Korrekturen. Die Kommunikation findet von Nervensystem zu Nervensystem (Klient – Behandler) in direkter Verbindung über das Skelett statt. Das Skelett arbeitet in einer funktionalen Anordnung und das Nervensystem stellt Funktionen her, indem es die Muskeln organisiert. Das Zulassen von Bewegung setzt dabei eine bestehende Überspannung herab und steigert die Sensitivität.

Dies ist der Schlüssel zur Neuorganisation: Der Person wird auf unterschiedliche Weise eine neue Erfahrung angeboten und zwar in einer vollständigen Handlung.

Wie funktioniert das?

Körperempfindung und Körperorganisation beeinflussen sich in Wechselwirkung über die Sinne. Aufgrund der Anlage des Skeletts und der Muskulatur im Feld der Schwerkraft schlummern in uns unwillkürliche Reflexe (Reaktionen auf gegebene Umstände). Ihr Gebrauch hängt im wesentlich vom erworbenen Wissen aus unserer Entwicklung, dem Stand unserer Sensitivität und davon ab, wie wir gelernt haben.

In der FI fließt das erworbene Wissen aus unserer Entwicklung ein. Es beinhaltet also Erfahrungen unserer Beziehungsgestaltung im sozialen Umfeld, die unsere Muskeln, das Bindegewebe, das Skelett und das Nervensystem in Form von Verhaltensmustern prägen. Verhaltensmuster stehen wiederum in Wechselwirkung mit unseren Gefühlen und Gedanken. Da diese Prozesse meist unbewusst ablaufen, bringt uns eine kontrollierende Willenskraft oft ins Gegenteil dessen, was wir wollen. Willenskraft ersetzt dann mehr und mehr unsere Fähigkeit zu Lernen, d. h. Unterschiede wahrzunehmen und darüber die Organisation unseres Selbstbild effektiv zu beeinflussen. Ein Selbstbildverlust wird oft nicht als Verlust erlebt, da unser Sinn für unsere Fähigkeiten in den Hintergrund tritt. Wir handeln jedoch dem Bild nach, das wir von uns haben.

Je mehr wir lernen zu spüren, was uns ausmacht, uns voranbringt und was uns einschränkt, desto klarer wird das Selbstbild.

Das Selbstbild setzt sich aus unseren Handlungen zusammen. Eine Veränderung des Selbstbildes geschieht, indem das Zusammenspiel aller Teile in ihrer natürlichen, reflexgestützten Selbstorganisation bewusst gespürt werden kann. Die gefühlte und gedankliche Reflexion des Erfahrenen integriert im besten Fall das Veränderte in eine neue Handlung. Diese Feedbackschleife ist ein vollständiger Lernprozess.